Opus 77

duc

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Auf der Beerdigung ihres Vaters hält Ariane am Flügel inne, die gefeierte Konzertpianistin, belauert von der Trauergesellschaft. Eine dröhnende Pause, ein langes Atemholen, und Ariane setzt an – zu Schostakowitschs »Opus 77« und zu der Geschichte ihrer Familie.

Starpianistin Ariane Claessens lässt uns an ihren Gedanken teilnehmen, während sie vor dem Flügel in dieser Kirche sitzt. Sie hat ihren Vater beim Sterben begleitet, der über Jahrzehnte der berühmte Dirigent des führenden Sinfonieorchesters der Schweiz war. Nun wird er zur letzten Ruhe gebettet. Ariane soll etwas zum Gedenken an ihren Vater spielen. Sie verwirft alles Gewöhnliche und nimmt sich den Klavierauszug des Opus 77 von Schostakowitsch vor, ein gefühlsaufwallendes Violinkonzert über vier Sätze, das offenbar weitreichende Bedeutung für Familie Claessens hat.

Der Roman wird unglaublich vielschichtig und dicht erzählt. Und so schadet es nicht, in das titelgebende, sehr emotionale Werk hineinzuhören: „Opus 77 oder der einzige Rettungsanker eines Menschen, der sich zum Selbstmord getrieben sieht. Nie hat Musik wohl mehr den Kampf des Lichts gegen die dunklen Mächte symbolisiert.“
So ist es vor allem ein sehr musikalischer Eindruck, der von der Lektüre dieses Buches bleibt – auf inhaltlicher aber auch auf stilistischer Ebene.
Gespannt darf man sein, was von Alexis Ragougneau in Zukunft noch zu lesen sein wird.

(112096.)

Alexis Ragougneau:
Opus 77
HC mit SU, 217 Seiten
2022: Unionsverlag
ISBN: 9783293005808
22,00 €
(gebundener Ladenpreis)

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