Im Auge der Pflanzen

isomo

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Den Kindern hält man die Augen zu, wenn der alte Kapitän Celestino vorbeigeht. Seine Seele soll er verkauft haben, und des Nachts tanze er mit dem Teufel. Geschichten von Grausamkeit ranken durch das Dorf, kriechen bis an die blinden Fenster von Celestinos Haus. Während die Dörfler urteilen und der Pfarrer den Kapitän zur Beichte drängt, weiß nur Celestino selbst um seine wahren Untaten.
Der verwilderte Garten wird ihm zum einzigen Vertrauten. Celestino treibt Pilze, Wurzeln und Schlingen zurück, tränkt den Boden mit Wasser und Hingabe, zieht nach Fantasie duftende Nelken, bis das Leben unter seinen Händen zurückkehrt. Doch die Bilder in seinem Kopf vermögen die Blüten nicht zu verdecken.

In leuchtenden Farben zeichnet Almeida eine von Schuld und Erinnerung umgetriebene Gestalt.
Es soll ja Menschen geben, die durch die Gegenwart von Tieren zu einem anderen Menschen werden. Meist sogar zu einem besseren Menschen. Sieht man genauer hin, sind die Veränderungen aber gar nicht so gravierend. Sie sind dann vielleicht ruhiger, gelassener. Lassen die Aufregung nicht mehr so oft zu.

Hier kommt kein großer Knall, der alles auf den Kopf stellt. Celestinos Leben ist schon längst von links auf rechts gedreht worden. Er genießt das Hier und Jetzt. Das, was einmal war, ist und bleibt ein Bestandteil seines Lebens.

(112095.)

Djaimilia Pereira De Almeida:
Im Auge der Pflanzen
HC, 124 Seiten
2022: Unionsverlag
ISBN: 9783293005815
20,00 €
(gebundener Ladenpreis)

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